Einführung in die Ohrmassage
Grundsätzlich geht es bei der Ohrmassage darum die "Energie" des Körpers wieder zum fließen zu bringen. Das hört sich erst einmal sehr esoterisch und für mitteleuropäische Ohren ungewohnt an. Hinter diesen Worten verbirgt sich aber nichts geheimnisvolles. Wir allen leben mit der Erfahrung, dass die Energie in unserem Körper nicht immer so fließt, wie wir uns das erhoffen und ganz automatisch reagieren wir darauf.
- nach einer langen Autofahrt, recken und strecken wir uns, vertreten uns die Beine
- bei Kopfschmerzen reiben wir unseren Nacken
- bei zittrigen Beinen essen wir ein Stück Schokolade, usw.
In diesen und vielen andere Situationen versuchen wir ganz automatisch nichts anderes, als unsere "Energie" wieder zum fließen zu bringen. Grundsätzlich kann man sagen. Es gibt zwei Arten von Schmerz. Die eine verursacht den Schmerz durch eine Fülle, einen Stau der Energie und die andere durch eine Leere, einen Mangel an Energie. Ganz automatisch und unbewusst setzen auch viele Menschen die Ohrmassage ein. Beobachten Sie einfach mal die Menschen in Ihrer Umgebung. Sicherlich werden Sie feststellen können, das sich viele ganz unbewusst das Ohrläppchen drücken, vor allem, wenn Sie geistig ermüdet sind oder sich in einer angespannten Situation befinden (vergleiche Ohrzonen - Lobulus).
In der Ohrmassage /-akupunktur hat man einen Atlas entwickelt, der im Ohr jeden Teil des Körpers wieder spiegelt.
.... Es war nicht einfach irgend ein Mann , der einen Atlas für die Ohrakupunktur entwickelte, sondern es war der französische Arzt, Dr. Paul Nogier. Ihm vielen in den 60er Jahren, so heißt es, bei einigen Seeleuten kleine Löcher oder Narben an den Ohren auf. Dabei stellte sich heraus, dass diese durch eingeborene Medizinmänner entstanden waren um Ischias Schmerzen und andere leiden zu beseitigen. So machte sich Nogier daran einen Atlas zu entwickeln und wurde der Begründer der Ohrakupunktur, auch "Auriculo-Therapie" genannt.
Durch die Arbeit des Paul Nogier und einigen seiner Schüler, wie z.B. Niels Krack und Günther Lange, können wir mit der Ohrmassage ganz gezielt verschiedene Teile oder sehr einfach auch den gesamten Körper ansprechen und dort gestaute oder fehlende Energie wieder zum Fließen zu bringen, oder vorbeugend am fließen halten. Grob gesagt, spiegelt sich der gesamte Mensch in etwa in der Embriohaltung - Schädellage, also auf dem Kopf stehend, im Ohr wieder.
In der Ohrakupunktur verkehren sich gegenüber der Körperakupunktur übrigens auch die Wirksamkeiten der verschiedenen Metalle (der Nadeln). Gold z.B. wirkt in der Körperakupunktur anregend, während es in der Ohrakupunktur (Ohrvorderseite) sedierend, also entspannend/ausleitend wirkt. Nur ein Punkt auf der Ohrvorderseite entspricht den Regeln der Körperakupunktur, und zwar der Nullpunkt. Dieser Punkt ist wie ein Hausanschluss zu sehen. Es bietet sich an, diesen Punkt, vor der Massage kurz und sanft zu pressen um so "Energie" für die Massage zu aktivieren. Gestochen wird der Nullpunkt eigentlich nicht, bzw. nur in Ausnahmefällen.
Aber hier sind wir schon voll beim Thema ...
... doch zuvor müssen wir uns aber noch auf ein eindeutiges Vokabular einigen
Im weiteren Verlauf werden immer wieder die lateinischen Bezeichnungen der folgenden Ohrzonen genannt werden. Die beiden folgenden Abbildungen bezeichnen die wichtigsten Bereiche des Ohres, also die Ohrtopographie.
Auf die einzelnen Zonen werden wir später noch genauer eingehen. Hier nur die Aufstellung
- Lobulus
- Helix
- Helixwurzel (Crus Helix)
- Scapha
- Anthelix (einschl. untere Anthelixwurzel (Crus anthelix))
- Obere Anthelixwurzel (Crus anthelix)
- Fossa Triangularis
- oberer Conchabereich (Cavum conchae superior)
- Herz 100
- unterer Conchabereich (Cavum conchae interior)
- Tragus
- Antitragus
Diese 12 Bereiche des Ohres werden wir im Laufe der Zeit genauer kennen lernen, es lohnt sich also, sich die komplizierten Worte zu merken.

Im Besonderen bei der Ohrakupunktur wird dem Querschnitt durch Helix, Scapha, Anthelix und Concha eine Besondere Bedeutung beigemessen. Die Kenntnisse über die verschiedenen Bereiche sind aber auch die partielle Massage am Ohr von Bedeutung.
Der Rücken ist häufig der Schlüssel zu den Beschwerden, so kommt der Anthelix auch eine besondere Bedeutung bei der Behandlung zu. Die hier gezeigte Differenzierung der einzelnen Bereiche 4, 5 und 6 sind in erster Linie für die Ohrakupunktur (oder die Mikromassage) wichtig. Bei der einfachen Ohrmassage wird man in der Regel alle drei Bereiche gleichzeitig massieren, da die Bereiche zusammen oft nicht größer als eine Daumenfläche sind.
Wie geht man also bei der Ohrmassage vor ?
Zu aller erst sollten wir darauf achten, keine langen Fingernägel zu haben. Es geht darum Beschwerden zu lindern, nicht welche zu schaffen. Zur besseren Durchblutung kann man zusätzlich eine nicht reizende, durchblutende Salbe verwenden. Hier ist besonders auf Unverträglichkeiten, Allergien und ähnlichem zu achten.
Empfehlen kann ich die Lomazell-Salbe (für nicht so empfindliche Menschen Lomazell Forte). Natürlich kann auch jede andere, durchblutungsfördernde Salbe verwandt werden. Es ist aber darauf zu achten, dass diese nicht zu stark wirkt, das Ohr ist recht empfindlich.
Der "Patient" sollte es sich auf einem Stuhl bequem machen. Es sollte ihm auf jeden Fall möglich sein, sich zu entspannen. Leider ist ein Ohrensessel nicht anzuraten, denn an die Ohren wollen wir ja ran. Es kann hilfreich sein, wenn der Patient ein Kissen auf den Beinen liegen hat, so kann er die Arme dort ablegen und die Schultern besser entspannen.
Massiert wird mit, im Uhrzeigersinn kreisenden Bewegungen, wobei der Behandler hinter dem sitzenden Patienten steht. Auf der Abbildung wird ersichtlich in welcher Reihenfolge massiert wird.
Ausgehend vom oberen Ende des Tragus wird über den Antitragus, die Anthelix entlang massiert. In Phase zwei gehen wir vom unterem Ende der Helix, herum bis an die Concha heran. Besonders wichtig dabei ist, auch unter der Helix, am Übergang zur Scapha in der "Vegetativen Rinne" (s.o.) zu massieren. In der 3. Phase wird die Concha in kreisenden Bewegungen von der oberen Concha bis in die untere Concha massiert. Zu guter Letzt, in Phase 4 wird der Lobulus im Zickzack von rechts nach links und von oben nach unten massiert. Jede der Phasen wird zwei bis dreimal wiederholt, wobei darauf zu achten ist, dass der Behandler möglichst gleichmäßige und ruhige Bewegungen macht. Beendet wird die Massage durch mehrmaliges "Ausstreichen" vom Ohr abwärts über Hals, Nacken, Schulter und Oberarm bzw. über den Rücken, was bei den meisten Patienten ein starkes Kribbeln verursacht, für jeden aber wichtig ist.
Zur Vorbeugung und Hebung des Allgemeinbefinden kann diese Massage ein bis zwei mal die Woche angewandt werden. In der Regel sollte diese Behandlung für den Hausgebrauch ausreichend sein, liegen aber doch mal akute Beschwerden vor kann am warmen Ohr, also nach der grundlegenden Ohrmassage die partielle Massage durchgeführt werden.
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